2014, du hast so weh getan

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Zeit für ein Resümee des Jahres 2014, dass oftmals schwierig war, sehr oft weh tat, aber auch seine schönen Seiten hatte.

Das Jahr begann mit großen Hoffnungen. Im Pokal zwar schon ausgeschieden, doch in der Meisterschaft nur drei Punkte hinter der Spitze und auch in der Champions League träumte man noch von Lissabon. Überhaupt die Champions League. Auf einer Welle der Glückseligkeit schwebte nicht nur die Mannschaft, sondern wohl alle, die dem Verein wohl gesonnen waren.
Turbine machte sich mit seinem Sieg in Lyon unsterblich und nur noch zwei Schritte trennten das Team vom dritten Finaleinzug seit 2010.

Hallentitel verteidigt, Meisterschaft im Blick

Zunächst startete aber die Hallensaison, bei der Potsdam den DFB-Hallenpokal in Magdeburg erfolgreich verteidigte. Die Gruppenphase mehr schlecht als recht, krönte sich das Team nach Neunmeter-Schießen zum Sieger des Turniers. 

Auch in der Liga ging es gleich in die Vollen. Ende Februar wartete der FC Bayern, ein Sieg musste her, wollte man auch in der Liga noch eine Rolle spielen. Und es gelang, Potsdam siegte, Frankfurt und Wolfsburg trennten sich Unentschieden am selben Spieltag. Auf einmal war man Zweiter, ein Punkt hinter Platz eins. Ein Start nach Maß, wenn man so wollte.

Vom Titel träumte man zu diesem Zeitpunkt schon fast offen und zwar nicht nur in der Meisterschaft, sondern auch in der UWCL. Torres CF besiegte man zweimal klar, es fokussierte sich alles auf das Duell gegen den VfL Wolfsburg.

Wolfsburg, immer wieder Wolfsburg

Am 18. April 2014 begann ein wenig das Ende der Saison, von der man sich so vieles erhofft hatte. Der 18. war der Tag des Hinspiels des Champions League Halbfinales. Nach intensiven 90 Minuten stand ein 0:0 zu Buche, ein Ergebnis, dass für beide Mannschaft alles offen hielt.

Es folgte ein Rückspiel, das an Emotionen alles parat hatte, was man sich vorstellen konnte. Nach nur sieben Minuten das 1:0 für Potsdam. Was ein Jubel, eine frühe Führung, besser konnte es nicht laufen. Lissabon vor Augen, doch sollte am Ende alles anders kommen.

Keßler glich die Führung aus, Anonma erzielte das 2:1, welches wieder durch Popp ausgeglichen wurde. Nach der Halbzeit ging nicht mehr viel, nach 90 Minuten stand ein 2:4 zu Buche.

Der Traum vom Finale war ausgeträumt und noch schlimmer, Lisa Evans und Stefanie Draws mussten das Spiel verletzt vorzeitig verlassen. Bei letzterer wirkt dies immer noch nach, unsere Kapitänin erlitt einen Kreuzbandriss und befindet sich aktuell noch immer in der Reha.

Trotz allem, in der Liga galt es mindestens Platz zwei zu erreichen, denn es gab noch einen weiteren Traum, den vom Finale in Berlin 2015 in der Champions League. Diesen galt es zu wahren.

Dieser eine Freitagabend im Mai

Schon am 16. Mai traf man sich wieder in Wolfsburg, dieses Mal zum Punktspiel. Turbine war inzwischen Erster, ein Unentschieden wäre an diesem Freitagabend genug gewesen, dies zu verteidigen. Was folgte, ist eine Geschichte, zu der jeder seine eigene Wahrheit hatte.

In der 15. Minute des 17. Spieltags sah Genoveva Anonma glatt Rot. Sie hatte der VfL-Trainerbank den Mittelfinger gezeigt. Es war eine Reaktion auf einen beleidigenden Kommentar ihr gegenüber. Was genau geschah, wurde nicht so richtig geklärt, der DFB sprach Ralf Kellermann frei, Anonma wurde für drei Spiele gesperrt.

Was sich aber offenbarte, war der Alltagsrassismus einiger, die mit unnötigen Bemerkungen im Internet um die Ecke kamen. Die Anonymität des Internets lebte sich ordentlich auf Kosten von Ayo aus, was fast noch schlimmer war, als das, was geschehen war. Es bleibt die Frage, ob bei einer anderen Spielerin ebenso negativ und unqualifiziert diskutiert worden wäre.

Die Partie ging im Übrigen mit 2:0 verloren, was aber zur Nebensache avancierte, ob dieser Vorfälle.

Noch immer war nicht wirklich etwas verloren, punktgleich auf Platz zwei, vier Punkte vor dem Dritten Wolfsburg. Champions League Qualifikation immer noch das primäre Ziel.

Unnötiger Punktverlust gegen Cloppenburg

Am 22. Mai ließ man Punkte liegen, die man nicht liegen lassen durfte. Mit dem BV Cloppenburg kam ein Aufsteiger und abstiegsbedrohter Club ins KarLi. Eine sichere Sache, die dem Verein am Ende das Genick brach. 2:2 Unentschieden, wichtige Punkte liegen gelassen, gezwungen in Frankfurt zu siegen, wollte man noch Platz 2 erreichen.

Und wieder sollte ein Spiel folgen, was einem den Glauben an die Gerechtigkeit rauben kann. Turbine spielte gut. Das Tor kurz vor der Halbzeit machte aber der FFC. Die Mannschaft steckte nicht auf, erzwang ein Eigentor durch Saskia Bartusiak nach einer guten Stunde und war wieder im Spiel.

Mjelde vergibt die letzte Chance

Es folgte ein Sturmlauf auf das Tor von Desiree Schumann, in der 81. Minute ein Pfiff. Elfmeter für Turbine. Maren Mjelde, die Frau, die uns im November das Wunder von Lyon geschenkt hatte, trat an. Was waren wir sicher, das es das 2:1 werden würde. Doch sie verschoss, vergab die letzte Chance auf Platz 2, die spätestens in der 90. Minute durch das Siegtor von Kerstin Garefrekes zerstört wurde.

Auf der einen Seite Jubel über die endlich wieder gelungene Qualifikation für das internationale Geschäft, auf der anderen Seite die Erkenntnis, dass man mittwochs wieder mehr Zeit haben würde und die große Chance auf ein (Fast-) Heimfinale in der UWCL verspielt hatte.

Das 1:1 am letzten Spieltag gegen die Bayern nur noch für die Statistik wichtig, die Saison endete mit Platz drei.

Fünf Siege zu Beginn

In der Sommerpause ein Cut. Die Parole wieder mehr auf die Jugend zu setzen wurde ausgerufen. Fünf Spielerinnen aus dem Nachwuchs rückten nach oben, verstärkt wurde der Kader noch mit zwei Amerikanerinnen und einer jungen Polin. In den Testspielen schwankte das Team zwischen Zauber- und Rumpelfussball stetig hin und her, doch nichtsdestotrotz war man sich sicher, dass wird eine gute Truppe für die kommende Saison.

Das Startprogramm knackig. Herford, Essen, Frankfurt. Die Spielstärke der Gegner steigerte sich im Verlauf. Nach einem knappen aber gerechten Sieg auswärts in Essen, sollte das Spiel gegen den FFC die erste Standortbestimmung werden. Und was für eine.

Die Mannschaft legte los wie die Feuerwehr, das Pressing beeindruckt, gefühlt kamen die Frankfurterinnen erst nach einer Viertelstunde erstmals an den Ball. Am Ende besiegelte Asano Nagasato mit ihren zwei Treffern den 2:1-Sieg gegen den Erzfeind.

Schon wieder träumte man von einer Saison, die vielleicht mehr bringen könnte, als man erhofft hatte. Aber nichts war in 2014 so beständig wie der Aufprall auf den Boden nach einem kleinen Höhenflug.

Der „schwarze“ Oktober

Den Oktober konnte man vollständig vergessen. Angefangen beim Spiel gegen den VfL, in dem man führte und durch zwei individuelle Fehler 1:2 verlor. Es folgte die Partie gegen den FC Bayern München, welche durch einen Elfer verloren wurde. Aus beiden Duellen wären mindestens zwei statt null Punkte möglich, wenn nicht gar gerecht gewesen.

Damit aber nicht genug. Wieder so ein Spiel, dass eigentlich schon im Vorfeld entschieden war. Turbine reiste zum Letzten nach Duisburg. Sichere Punkte, so dachte man. Ein 3:3 nahm man mit nach Hause. Der Tiefpunkt der Hinrunde, wie es auch Bernd Schröder in der Folge formulierte.

Die weiteren Spiele rumpelte sich Turbine zu Siegen. In Jena rettete ein Elfmeter kurz vor Schluss die drei Punkte. Dank einer Schwächephase der Frankfurterinnen rückte man wieder auf Platz drei vor und liegt nun vier Punkte hinter dem Ersten, aber viel wichtiger, nur zwei hinter dem Zweiten.

Versöhnliches Jahresende

Das Jahr sollte versöhnlich enden, mit einem Sieg im Pokal gegen Köln. Das Halbfinale war gesichert und auch in der Meisterschaft blieb man handlungsfähig. Den Strich unter das Turbinejahr machte aber Julia Simic. Gerüchte verdichteten sich und bestätigten sich nach dem Spiel in Köln. Die Nummer 10 wird Turbine verlassen, in Richtung Wolfsburg, wohin auch sonst.

2014 war ereignisreich und tat oftmals weh, denn die Höhepunkte fanden ohne Turbine statt, die wichtigen Spiele gingen meist recht unglücklich verloren.

Das kommende Jahr startet traditionell. Hallenturniere, leider findet das letzte Mal der DFB Hallenpokal statt, und mit einem Spitzenspiel Mitte Februar in Frankfurt. Noch ist alles möglich, im Pokal und Liga.

2015 neu angreifen

Was ich mir für 2015 wünsche? Der Einzug ins Pokalfinale wäre schön, vom Sieg will ich gar nicht reden. Platz 2 in der Meisterschaft wäre aber noch viel besser, schließlich würde ich 2016 gern nach Mailand reisen und es wäre zudem so wichtig für die Weiterentwicklung des Vereins.

Was ich mir aber fast noch mehr erhoffe als das, sind Meldungen wie: „Spielerin XY verlängert bei Turbine Potsdam“. Viele Verträge laufen aus, ein Auseinanderbrechen der Mannschaft ist zu befürchten, obwohl ihre Perspektive zusammen so vielversprechend ist.

 

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