40 Meister und noch vieles mehr

Die Frauenbundesliga feiert Jubiläum. 1970 wurde das Verbot für den Frauenfussball seitens des DFBs aufgehoben, vier Jahre später startet ein erster bundesweiter Vergleich.

Seit 40 Jahren suchen auch die Frauen ihren nationalen Meister im Fußball. Fast jede Ära hat einen prägenden Verein. Viele Clubs der ersten Stunde und gar Meister verschwanden über die Jahre.

Mein Rückblick auf 40 Jahre Deutsche Meisterschaften.

Endlich Meisterschaften

Unter dem Namen deutsche Fußballmeisterschaft ging es 1974 im Gruppenmodus los. Gerade einmal 16 Mannschaften aus 5 Regionalverbänden kämpfen in vier Gruppen um die ersten Plätze. Ausgespielt wurde diese innerhalb der Region, nur Berlin rutschte als einziger Vertreter des Verbandes in Nordabteilung.

Ein Gründungsmitglied waren damals die Bayern-Frauen. Bis heute ein fester Bestandteil der höchsten Spielklasse der Frauen.

Im Finale standen sich am Ende TuS Wörrstadt und DJK Eintracht Erle gegenüber, welches Wörrstadt souverän für sich entschied. Der Club aus Rheinland-Pfalz krönte sich zum ersten Deutschen Meister aller Zeit.

München ist immer dicht dran- aber nur einmal Meister

Schon im Jahr darauf ein neuer Modus. In der Gruppenphase wurde nicht mehr nur jeder gegen Jeden, sondern im Hin- und Rückspielmodus gespielt. Wieder machten die Gruppenersten den Titel unter sich aus.

Endspiel diesmal Bonner SC gegen den FC Bayern München. Es siegten am Ende die Bonnerinnen.

Nur ein Jahr später machen es die Frauen vom FCB besser. Sie besiegten Tennis Borussia Berlin mit 4:2 nach Verlängerung. Zum ersten und auch bisher letzten Mal ging der Titel an die Säbener Straße, zumindest bei den Frauen.

Ein Verein wird Weltmeister

1977 tauchte erstmals ein Verein auf, dessen Name den Sport nachhaltig prägen sollte. Die SGG Bergisch Gladbach kürte sich gegen die Bayern erstmals zum Titel.

Bis 1989 wurde das Team neunmal Deutscher Meister. Zu dem sind sie der einzige Verein der Welt, die zudem auch eine Art Weltmeister sind. Von 1978 bis 1987 wurde ein Einladungsturnier unter dem Namen „Women’s World Invitation Tournament“ verantaltet.

1981 und 1984 schickte der DFB einfach die komplette Vereinsmannschaft aus Bergisch Gladbach. Beide Male kamen die Frauen siegreich aus Taiwan zurück.

Nach dem Rückzug des Hauptsponsors versank der Verein der Versenkung. 1996 wechselte das Team komplett zur Tus Köln rrh, welche später in der Frauenmannschaft von Bayer Leverkusen aufging. Somit gehört auch Bergisch Gladbach noch immer ein wenig zur ersten Liga.

Wiedervereinung und erstmals Bundesliga-Betrieb

Ab 1990/91 erneut ein neuer Modus. Die Frauen spielten ab sofort in einer Bundesliga, wenn auch noch in Nord- und Südstaffel geteilt. Der erste Meister wurde der TSV Siegen. Bis 1996 krönte man sich insgesamt sechsmal zum Titelträger.

Eine der bekanntesten Spielerinnen der Mannschaft war eine gewisse Silvia Neid. 1997 wurde die Frauenabteilung von den Sportfreunden Siegen übernommen, Erfolge bekam es aber nicht mehr zu jubeln.

Jena erster Ostverein in Liga 1

In der Saison 1991/92 nahm erstmals eine Mannschaft aus der ehemaligen DDR am Ligabetrieb teil. Der letzte DDR-Meister erhielt das Recht auf den Aufstieg die höchste Spielklasse. Und es war natürlich, nicht Turbine Potsdam.

Der Serienmeister erreichte in der entschiedenen Saison nur Platz 3, der USV Jena durfte als Meister aufrücken. Aber nach nur einer Saison ging es wieder abwärts, zu groß waren der Leistungsunterschied zu den restlichen Vereinen.

Der Meister wurde indes immer noch zwischen den beiden Erstplazierten der beiden Staffeln ausgespielt.

Weg von der Staffel – hin zur „richtigen“ Liga

Die nächste große Veränderung kam 1997. Aus der zwei- wurde eine eingleisige Bundesliga, also die Liga wie wir sie heute noch immer kennen. Meister wurde die Mannschaft, die am Ende der Saison, die meisten Punkte auf sich vereinte.

Dem SSV Turbine Potsdam gelang endlich der ersehnte Aufstieg, damals aber noch unter dem Dach eines Männerclubs.

Premierenmeister wurde der FSV Frankfurt, der letzte große Titel des einzig waren Frankfurter Clubs.

Drei Meisterschaften, fünf Pokalsiege. Spielerinnen wie Saskia Bartusaik, Birgit Prinz, Sandra Smisek und viele andere wurden hier geformt.

Aus der SG Praunheim wird der 1. FFC Frankfurt

Der hieß damals noch SG Praunheim, deren Lizenz wurde aber zur Saison 1998/1999 an den neu gegründete 1. FFC Frankfurt abgetreten. Direkt im ersten Anlauf gelang der Mannschaft der Meistertitel. Es sollte einer von vielen werden.

Bis 2003 gab es kein Vorbeikommen am großen FFC, nur einziges Mal siegte eine andere Mannschaft. Dem FCR Duisburg 55, Vorgänger des FCR 2001 Duisburg, gelang sein erster und einziger Meistertitel im Jahr 2000.

Der Club aus dem Pott war immer dicht dran, wurde Pokal- und UEFA Cup Sieger, nur in der Meisterschaft wurde man zum Ewigen Zeiten.

Die FFCs beherrschen die Liga

2004 gelang erstmals wieder einem anderen Club, die Spitze der Liga zu erobern. Ein anderen FFC mischte nun im Titelkampf. Seit 1999 war aus dem SSV ein FFC geworden, die Frauen von Turbine Potsdam wagten den Sprung in die Eigenständigkeit und wurden belohnt.

In den darauf folgenden Jahren entwickelte sich eine Art Zweikampf um die Meisterschaft, nur der FCR schaffte es ab und an, sich einzumischen.

Zwischen den beiden FFCs aus Ost und West entwickelte sich mit den Jahren eine echte Hassliebe. Das Duell polarisiert und war oft das Highlight der Saison, nicht nur für Fans der jeweiligen Clubs.

Der FSV verschwindet aus dem Frauenfussball

2006 sagte ein ehemals großer Club für immer Servus. Der FSV Frankfurt beschloss mit den Männern endlich aufzusteigen, auf Kosten der Frauen.

Kaum Budget lief in der Saison 2005/2006 fast eine komplette Nachwuchsmannschaft verstärkt mit Regionalspielerinnen auf, die Wochenende für Wochenende die Bude voll geschossen bekamen.

Mit null Punkten und einer Tordifferenz 5:142 endete die Saison am Ende. Bis heute hält der Verein den traurigen Rekord der höchsten Niederlage. 17:0 verlor man gegen den FFC. Gegen Turbine bekam man damals 13 Tore eingeschenkt.

Ich war an diesem Abend, es war ein Fluchtspiel, live im Stadion. Mit Fußball hatte das wenig zu tun. Schon auf dem Platz saß man die Spielerinnen fast weinen, eine Abmeldung vor der Saison wäre für alle das würdigere Ende gewesen.

Nach dem Abstieg folgte die Auflösung, vorbei war es mit dem Frauenfußball am Bornheimer Hang.

Zur neuen Saison in diesem Jahr stieg eine Mannschaft auf, die in der jüngsten Vergangenheit das Geschehen bestimmte. Als WSW Wolfsburg schon mal einmal in der ersten Liga vertreten, trat man 2003 komplett zum VfL Wolfsburg über und kehrte nur drei Jahre später in die erste Liga zurück.

Ein Tor, welches den Unterschied macht

2009 folgte die knappste Meisterschaft aller Zeiten und begründete eine neue Siegesserie. Der FC Bayern München war schon so gut wie durch, 10 Punkte Vorsprung waren ein gehöriges Polster. Ins Ziel brauchte die Mannschaft es doch nicht.

Am Ende fehlte ein einziges Tor, das den Unterschied machte. 10 Minuten, die wie Stunden waren, wartete man in Potsdam auf den Schlusspfiff in Crailsheim.

Der TSV schon abgestiegen, stemmte sich gegen die zu hohe Niederlage und bescherte Turbine den unverhofften Meistertitel. Drei weitere sollten folgen.

Hamburg, Duisburg, Neuenahr – Finanzsorgen in der Bundesliga

Der Hamburger SV stieg 2011/12 aus der Bundesliga ab. Trotz sportlicher Qualifikation beantragte der Hauptclub keine Erst- und Zweitliga-Lizenz, es folgte der Gang in die Regionalliga.

Zu teuer. Es fehlten am Ende 100.000 Euro. Im selben Jahr leistet man sich ein Testspiel gegen den FC Barcelona für eine Millionen Euro. Ein Fakt, der vielen übel aufstieß.

Es gibt aber noch weiter, mit den Finanzproblemen in der ersten Liga.

Zur Rückrunde 2013 verschwand im Übrigen auch der FCR 2001 Duisburg. Nach finanziellen Problemen traten die Frauen zum MSV Duisburg über und spielen unter diesem Namen weiter Bundesliga.

Zwangsabsteigen musste zudem der SC 07 Bad Neuenahr, auch aufgrund von Finanzproblemen. Er ist heute noch unter dem Namen SC 13 Bad Neuenahr zu finden. 1978 war man noch Meister gewesen.

Der VfL Wolfsburg beendet „FFC“-Herrschaft

2013 betrat darüber hinaus ein neuer „Überclub“ betrat die Bühne. Der VfL Wolfsburg sicherte sich in dieser Saison das Triple und verteidigte im Jahr darauf seine Titel, einzig der Pokal sollte an Frankfurt gehen.

Vorbei war es mit Titelträgeren, die immer ein FFC im Name trugen. Erstmals seit 12 Jahren wurde eine andere Mannschaft als Potsdam und Frankfurt Meister.

Finanzkraft und eine Kader, der übermächtig erscheint, werden den Frauenfußball in Deutschland und Europa wohl für die nächsten Jahre prägen.

Neuer Name, neue Lizenzbedingungen

Die Saison 2014/15 wird wieder ein Meilenstein. Die Liga bekommt einen Sponsor, heißt nun Allianz Frauen-Bundesliga. Neue Lizenzbedingungen sollten vor weiteren Pleiten schützen.

Eurosport wird, wie schon im Jahr zuvor live aus der Liga berichten. Was zuerst ein Grund zur Freude war, wird immer mehr zum Ärgernis durch kurzfristige Ansetzungsverschiebungen. Die eh schon noch nicht so große Fankultur wird somit nicht gerade größer.

Die Aufsteiger der Saison sind der SC Sand und der Herforder SV, beides keine Unbekannte. Favorit auf den Titel natürlich der VfL und die Frankfurterinnen, eventuell noch die Bayern.

In weniger als einem Jahr wissen wir es besser. Auf die nächsten Vierzig!

Für Statistikfreunde, alle 40 Meister im Überblick

Regionalverbandserste spielen Meisterschaft aus

1974     TuS Wörrstadt
1975     Bonner SC
1976     FC Bayern München
1977     SSG 09 Bergisch Gladbach
1978     SC 07 Bad Neuenahr
1979     SSG 09 Bergisch Gladbach
1980     SSG 09 Bergisch Gladbach
1981     SSG 09 Bergisch Gladbach
1982     SSG 09 Bergisch Gladbach
1983     SSG 09 Bergisch Gladbach
1984     SSG 09 Bergisch Gladbach
1985     KBC Duisburg
1986     FSV Frankfurt
1987     TSV Siegen
1988     SSG 09 Bergisch Gladbach
1989     SSG 09 Bergisch Gladbach
1990     TSV Siegen

Seit 1990/91 zweigleisige Bundesliga Staffel Nord und Süd

1990/91  TSV Siegen
1991/92  TSV Siegen
1992/93  TuS Niederkirchen
1993/94  TSV Siegen
1994/95  FSV Frankfurt
1995/96  TSV Siegen
1996/97  Grün-Weiß Brauweiler

Seit 1997/98 eingleisige Bundesliga
1997/98  FSV Frankfurt
1998/99  1. FFC Frankfurt
1999/00  FCR Duisburg
2000/01  1. FFC Frankfurt
2001/02  1. FFC Frankfurt
2002/03  1. FFC Frankfurt
2003/04  1. FFC Turbine Potsdam
2004/05  1. FFC Frankfurt
2005/06  1. FFC Turbine Potsdam
2006/07  1. FFC Frankfurt
2007/08  1. FFC Frankfurt
2008/09  1. FFC Turbine Potsdam
2009/10  1. FFC Turbine Potsdam
2010/11  1. FFC Turbine Potsdam
2011/12  1. FFC Turbine Potsdam
2012/13   VfL Wolfsburg
2013/14   VfL Wolfsburg
2014/15   Frei wählbar 😉

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