Ab sofort auch samstags

Es ist passiert, der Frauenfußball wird medial. Wer jetzt ins Stutzen kommt, dass er das schon wäre, hat auch recht.

Doch neben der Nationalmannschaft, dem DFB-Pokal Finale und dem ein oder anderen UWCL-Spiel, gibt es jetzt auch Bundesliga zu sehen. Ab dieser Saison kann man an jedem Spieltag eine Partie live im Fernsehen verfolgen. Eine Präsenz in den Medien, wie es sie bisher noch nicht gab.

Natürlich ist es begrüßenswert, dass die Entwicklung diesen zwischenzeitlichen Höhepunkt erreicht hat. Auch soll man nicht über Gebühr Kritik äußern, schließlich ist es das, was wir uns alle für unseren Sport gewünscht haben. Aufmerksamkeit auf allen Kanälen.

Und doch hat auch diese Medaille eine zweite Seite, eine die, wenn man genauer hinschaut, eher suboptimal ist. Die TV-Übertragungen wurden relativ kurzfristig bekannt gegeben. Bisher stehen nur die ersten sieben Spieltage fest.

Der Grund, warum dies ein kleines Ärgernis ist, ist die Tatsache, dass die betreffenden Spiele von Sonntag auf Samstag vorgezogen werden müssen. Eurosport wünscht diese Verschiebung für eine bessere Reichweite.

Was aus Sendersicht verständlich ist, kann beim Fan für ein Problem werden. Die Verlässlichkeit des Spielplans der Frauenbundesliga ist eh schon eine Sache für sich. Dank Fehlplanungen seitens des DFBs, als auch den Wintereinbrüchen, läuft eine Saison eh nicht so, wie sie im Vorfeld geplant wurde.

Durch weitere Verschiebungen wird diese Tatsache nicht besser, zudem bleibt zweifelhaft, ob Anstoßzeiten um 12 Uhr oder noch früher, mehr Zuschauer in die Stadion lockt. Die Ansetzungen der Nachspieltag in der Woche sind schon jetzt den Zuschauern ein Graus. Denn mehr Zuschauer vor dem Fernseher sind zwar nett, aber auch in die Stadien sollen die Menschen kommen.

Auch müssen die Vereine durch die Verschiebungen kürzere Regenerationszeiten hinnehmen. So muss der FFC Frankfurt etwa an einem Donnerstag in Cloppenburg ran, am Samstag schon wieder zu Hause gegen Leverkusen. Eine optimale Vorbereitung sieht anders aus, auch andere Vereine wird dies über kurz oder lang treffen. Schließlich spielen mit Turbine und Wolfsburg zwei Vereine in drei Wettbewerben.

Was noch stört, sind die Finanzen. 4000 Euro gibt es für die Vereine, wenn ihr Spiel live übertragen wird. Aber eben auch nur dann. In der NWZ Online war es Tanja Schulte (Trainerin des BV Cloppenburg), die sich als erste darüber negativ äußerte.

Schließlich könnten gerade die kleineren Clubs dieses Geld gebrauchen. Die finanziellen Schwierigkeiten in der Liga sind hinlänglich bekannt. Der FCR Duisburg stand am Abgrund, für den SC 07 Bad Neuenahr ging es gar eine Liga runter. Sindelfingen wird die kommende Saison mit zahlreichen Jugendspielerinnen bestreiten müssen, für mehr ist kein Geld da.

Die Unterstützung kommt den Vereinen zu Gute, denen es eh schon gut geht. Neben Wolfsburg und Frankfurt werden auch viele Spiele des FC Bayern München übertragen. Große Namen, die mehr Zuschauer versprechen, schließlich will auch der Sender einen Nutzen daraus ziehen.

Unterm Strich bleibt es jedoch der Schritt in die richtige Richtung. Die Kooperation ist auf drei Jahre festgelegt, eine lange Zeit, in der man, gerade in puncto Planungssicherheit, noch einiges verbessern kann, schließlich wurde der jetzige Deal recht kurzfristig zwischen DFB und Fernsehen geschlossen.

Dass Eurosport die Sache mit dem Frauenfußball Ernst meint, steht außer Frage. Neben Spielen der Juniorinnenauswahlen, Champions League, Algarve und Cyprus-Cup, konnte man alle Spiele der Europameisterschaft in Schweden hier verfolgen. Die Übertragungen der deutschen, als auch der französischen Liga sind da nur eine logische Konsequenz.

In ARD und ZDF konnte man zur EM nur die deutsche Elf sehen. Überhaupt haben diese Sender nicht viel aus den ihnen zugeteilten Rechten gemacht. Noch ein Grund mehr auf einen, im Marktanteil, kleineren Partner zu setzen.

Denn auch die Medien können es schaffen einen Sport berühmt und beliebt zu machen, dass die Zuschauer nur so zu den Wettkämpfen strömen. Der Sport in dem diese Entwicklung innerhalb von 10 bis 20 Jahren wunderbar funktioniert hat, ist der Biathlon.

Noch in den 90er beschaulich und eine der Randsportarten im Winter, sind die Arenen, gerade in Deutschland, heute ausverkauft. Es handelt sich hierbei nicht nur um den „Lena-Effekt“, denn diese Entwicklung setzte schon weit vor ihren ersten Weltcup-Rennen ein. Ob dies auch im Frauenfußball möglich ist, kann niemand vorhersagen, die Zeit wird uns die Antworten darauf liefern.

Die Medialisierung und Eventisierung des Sportes macht es möglich. Begriffe, die nicht jeder gerne im Zusammenhang mit seinem Sport hören möchte, aber ohne dem, wird es in Zukunft nicht mehr so recht funktionieren. Darüber hinaus schließt dies Traditionen und deren Werte nicht aus.

Neben dem Angebot im Fernsehen will auch DFB-TV weiterhin live Spiele im Internet präsentieren. Ist man schlau, zeigt man hier eben nicht das TV-Livespiel, sondern eine andere Partie. So viel Raffinesse traue ich nur leider den Verantwortlichen in Frankfurt nicht zu.

In gut einer Woche startet die neue Saison mit dem ersten offiziellen Eröffnungsspiel der Geschichte, live im Fernsehen, ganz wie bei den Männern, auch die teilnehmenden Mannschaften klingen ein wenig danach.

Die Professionalisierung hat eben auch ihren Preis, und wenn es der ist, dass neuerdings die Frauenbundesliga am Samstag spielt. Wen aber 11 Uhr Ansetzungen am Sonntag nicht schocken können, den bringen auch 13 Uhr Spiele am Tag zuvor nicht um.

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