Für immer Sportclub 07

In Neuenahr sind die Zeiten sind gerade nicht rosig. Aufgrund von finanziellen Problemen droht die Insolvenz und der Abstieg in die zweite Liga. In Folge dessen riefen die Fans den Slogan „Für immer Sportclub 07“ aus. Grund genug um die Fanszene des SC 07 Bad Neuenahr genauer zu beleuchten.

Erstmal zu euch, den Celtics Bad Neuenahr. Wer seid ihr genau?
Hallo erstmal und Danke, dass du dich für unsere Gruppe interessierst und uns die Möglichkeit gibst, uns einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Wir bezeichnen uns als „aktive Fans“ und unterstützen den SC 07 Bad Neuenahr, aktueller Frauenfußball-Bundesligist. Durch kreativen, lautstarken Support, den Einsatz von Zaunfahnen, Schwenkern, Doppelhaltern und Choreographien versuchen wir, dem Verein auch außerhalb des Platzes ein Gesicht zu geben. Für uns spielt der SC 07 immer eine Rolle, nicht nur an den Spieltagen.
Wir engagieren uns auch fanpolitisch, z.B. durch Aktionen gegen Homophobie, Rassismus und Sexismus, sind aber auch innerhalb des Vereins die „kritische Stimme“. Unser Auftreten, die Art der Unterstützung sowie unser politisches Engagement lässt sich, sollte man uns kategorisieren wollen, in das Spektrum „Ultrá“ einordnen. Jedoch genau darin liegt unser Problem. Wir wollen nicht kategorisiert werden und bezeichnen uns daher als „aktive Fans“.
Wir sind auch selbstkritisch genug zu erkennen, dass uns noch einiges fehlt, um als ernstzunehmende Ultragruppierung wahrgenommen werden zu können. Dies liegt vor allem daran, dass unsere Gruppe bunt gemischt ist und auch sehr viele „Unerfahrene“ dabei sind, die den Begriff „Ultrá“ erst noch begreifen müssen.
Im Grunde gibt es nur zwei Leute, die, bevor sie zum SC 07 und unserer Gruppe kamen, mit der Materie „Fanszene“ bereits vertraut waren. Allerdings versuchen wir auch nicht krampfhaft uns zu einer Ultrágruppierung zu entwickeln, denn meiner Meinung nach ist der Begriff „Ultrá“ ein dehnbarer Begriff. Im Vordergrund sollte einzig und alleine die Unterstützung der Mannschaft stehen, alles andere ist nebensächlich und maximal hübsches Beiwerk.
Seit wann gibt es euch und wie viele seid ihr momentan?
„Gegründet“ haben wir uns Anfang November 2011 bei einem Auswärtsspiel des SC 07 in Leverkusen. Seitdem haben wir aber einige personelle Veränderungen durchlaufen, sodass noch genau ein einziges Mitglied aus dieser Zeit im „harten Kern“ übrig ist. Diese Veränderung hatte mehrere Gründe, u. A. gab es durchaus Disharmonien innerhalb der Gruppe, wie auch politische Konflikte.Viele haben die Gruppe auch freiwillig verlassen, sodass wir nun bei einem harten Kern von 4 Personen angelangt sind, die die Hauptaufgaben rund um das Gruppenleben übernehmen sowie durch maximale Anwesenheit bei den Spielen glänzen. Hinzu gesellt sich ein Umfeld von einigen Leuten, die nicht direkt unserer Gruppe angehören, dennoch mit uns sympathisieren und uns bei unseren Aktionen sowie beim Support unterstützen.

Wie kamt ihr auf dem Namen „Celtics“?
Relativ banal, die Kelten waren schlichtweg die ersten, die sich in der Region um das heutige Bad Neuenahr ansiedelten. Außerdem wollten wir uns ein wenig absetzen von den 0815-Namen „Kommando Irgendwas“, „Supporters XY“, oder „Brigade Ismirwurscht“. So kam man relativ schnell auf den Namen „Celtics Bad Neuenahr“. Schlicht, kein Allerweltsname, aber dennoch passend, wie wir finden.

Eine Frage, die wohl immer kommt. Warum geht ihr zum Frauenfußball?
Das hat bei so gut wie jedem von uns verschiedene Gründe. Der Eine ging schon Jahre, bevor es unsere Gruppe, oder irgendeine Form von organisiertem Support gab, zum SC 07. Der Andere hatte einfach den kommerzialisierten Fußball der Männer-Profiligen satt und landete so beim Frauenfußball. Wiederum Andere hatten vorher nie etwas mit Fußball, oder gar Frauenfußball zu tun, sind durch Freunde, oder durch puren Zufall bei uns gelandet und haben ihr Herz an den Verein und unsere Gruppe verloren.

In einem sind sich aber alle einig: Der Frauenfußball ist in den oberen Ligen noch viel näher am Fan. Man kann ohne Probleme nach den Spielen auf dem Platz rumlaufen, ohne gleich Stadionverbote aufgebrummt zu bekommen. Es gibt keine Schikanen seitens Polizei, Medien und Politik, die Vereine interessieren sich wirklich und ehrlich für ihre Fans und die Spielerinnen sind immer noch ganz normale Menschen wie du und ich, egal, ob sie 120 Länderspiele, drei deutsche Meisterschaften und zwei Champions League Titel geholt haben.

Für die meisten der Spielerinnen gilt, dass sie einfach ganz normale Mädchen und Frauen sind. Sie müssen es auch sein, schließlich können sich die Mädels, anders als ihre männlichen Kollegen, nach ihrem Karriereende nicht nur von ihrem ersparten über Wasser halten. Man kann vor jeder Spielerin, die einige Jahre leistungsbezogenen Fußball gespielt hat, nur den Hut ziehen. Die Mädels müssen viel mehr auf sich nehmen, um ihrer Leidenschaft nachgehen zu können, als ein Bub wie Mario Götze, ein Herr Schweinsteiger, oder Lahm.

Habt ihr euch früher oder auch aktuell im Männerfußball engagiert?
Wie bereits erwähnt gibt es ein paar unter uns, die vorher durchaus aktiv in Fanszenen bei Männervereinen waren, aus verschiedenen Gründen dort aber nicht mehr aktiv sind bzw. sein wollten. Hauptgrund ist sicherlich die Kommerzialisierung des Fußballs sowie die Tatsache, dass sich dieser immer weiter von seiner Basis entfernt.

Was versteht ihr als Gruppe unter „Fansein“? Und unterscheidet sich dieses im Frauenfußball, zudem im Männerfußball?
Es sollte jedem selbst überlassen sein, was er als „Fan sein“ versteht. Wir sind keine besseren Fans, nur weil wir im Stadion vielleicht mehr auffallen, als die ältere Dame auf der Haupttribüne, oder der junge Mann, der auf der Gegengerade steht, sich aber „nur“ in Ruhe das Spiel anschauen will.

Was jedoch für jeden gelten sollte: Jeder sollte den Anderen seine eigene Art von „Fan sein“ ausleben lassen, wie er es möchte. Unsere Art besteht darin, indem wir unser Team möglichst bunt, laut und kreativ unterstützen, aber uns auch in Vereinsangelegenheiten einmischen, sowie auf Mißstände in der Gesellschaft aufmerksam machen, auch, wenn dies vielleicht nur im beschränkten Maße möglich ist, nämlich im Umfeld unseres Vereins.

Jetzt leider zu einem eher schwierigen Thema. Euer Club der SC 07 Bad Neuenahr ist in finanziellen Schwierigkeiten. Kam für euch die Situation überraschend?
Ja und Nein. Uns allen, auch mit dem SC 07 nicht so sehr verbundenen Menschen, war klar, dass sich unser Verein seit Jahren eher mit Ach und Krach von Saison zu Saison hangelte. Jetzt hat es nunmal geknallt und das Fass war voll.

Schuldige, Gründe und dergleichen gilt es jetzt nicht mehr zu suchen. Die Lage muss analysiert und verbessert werden, undzwar langfristig! Wir setzen da vollstes Vertrauen in unser aktuelles Präsidium, dem wir jegliche Schuld an der aktuellen Misere absprechen wollen. Die finanziell miese Lage ist auf frühere Jahre zurückzuführen, in denen das aktuelle Präsidium noch nicht tätig war.

Woran hängt es eurer Meinung nach? Mit Schult, da Mbabi oder auch Maier gehörten doch auch große Namen zum Kader.
Wie bereits erwähnt, ist die aktuelle Lage auf die Vergangenheit des Clubs zurückzuführen. Dennoch hat der SC 07 zweifelsohne einen Standortnachteil. Wir sind die mit Abstand kleinste Stadt unter allen Bundesligisten. Wir haben eine recht alte Bevölkerung sowie eine hohe Fluktuation, was die Einwohner an sich angeht.

Bad Neuenahr ist eine Kurstadt, dementsprechend wohnen viele zugezogene in Bad Neuenahr, die sich eher aufgrund des gehobenen, idyllischen Lebensstandarts in unserer schönen Stadt niedergelassen haben. Fußball ist da zweitrangig, und Frauenfußball erst recht. Der Verein löst keine Begeisterung aus in der Region. Allerdings befinden wir uns auch in einer Region, die sich nur sehr schwer begeistern lässt. Hier ist vielleicht bezeichnend, dass kein einziges unserer Mitglieder aus Bad Neuenahr-Stadt selbst kommt, sondern maximal aus den umliegenden Ortschaften.

Als Reaktion wurde der Slogan „Für immer Sportclub 07“ ins Leben gerufen. Nur ein Motto oder gibt es unter diesem auch direkte Aktionen? „Für immer Sportclub 07!“ ist unsere Art zu zeigen, was dieser Verein für uns bedeutet. Unter diesem Motto werden wir in den kommenden Wochen und Monaten versuchen, mehrere Aktionen zu starten.Ein erster Erfolg ließ sich vor einigen Wochen bei einem Testspiel unserer B-Juniorinnen-Mannschaft verzeichnen, als unserem Aufruf knapp 150 Gleichgesinnte folgten und dieses Testspiel (das erste Heimspiel nach unserem Insolvenzantrag) zu einer Art „Demonstration“ machten und ihre Solidarität bekundeten.

Wichtig vor allem war, dass sich an diesem Tag auch „Politgrößen“ der Stadt zeigten, wie Bürgermeister Guido Orthen. Auch die Regionalpresse berichtete, was anscheinend einen kleinen Schub für viele Menschen und den Verein gab. Der Verein selbst hat inzwischen einen Spendenanruf gestartet, wir planen ebenfalls weitere Aktionen, wie einen Kuchenverkauf.

Gibt es noch darüber hinaus Aktionen zur Unterstützung des SC?
Wir planen ständig Aktionen, wie wir unseren Verein in die Köpfe der Bevölkerung bringen. Wir wollen unseren Verein bunt, laut und kreativ repräsentieren, sodass wir den Leuten in Erinnerung bleiben. Ob positiv, oder negativ, das sei mal dahin gestellt.

Was wäre euch persönlich lieber, ein Verbleib in der ersten Liga, oder der Abstieg?
Da stehen wir ein wenig zwischen zwei Stühlen. Wir hoffen natürlich das Beste für den Verein, denken aber auch an unsere Spielerinnen, nicht nur in der Ersten Mannschaft, zu denen wir teilweise sehr gute Verhältnisse pflegen. Sollte der Verein wirklich „absacken“, werden uns wohl sehr beliebte Spielerinnen verlassen müssen, was wir natürlich nicht wollen. Dennoch sollte über allem der Verein stehen. Ist ein Abstieg die beste Lösung, werden wir diese unterstützen.

Würde ein Abstieg etwas an eurem Engagement ändern?
Nein!

Wir danken euch für das Gespräch und wünschen viel Glück für die Zukunft.

Kommentar verfassen

Folge mir auf Facebookschliessen
Powered by LikeJS
oeffnen
%d Bloggern gefällt das:
<\/body>