Am Pranger

„Wir sind sehr froh über den sehr guten Auftritt unserer Mannschaft in Bad Neuenahr. Jedoch bedauern wir in gleichem Zusammenhang die vereinzelten unnötigen Rufe und Äußerungen bezüglich der Leistung der Nummer 2 der Nationalmannschaft Almuth Schult, die während des Spiels aus unserem Fanblock gekommen sind. Wir distanzieren uns von derartigen Äußerungen auf das Schärfste“
Bernd Schröder in einem offiziellen Statement

Als ich diese Zeilen las, hatte ich schlimme Dinge im Sinn, die da wohl geäußert worden waren. Man kennt halt seine „Pappenheimer“. Deshalb war ich auch sehr gespannt auf die Kommentare im Internet zu diesem Thema. Was ich dann da las, ließ mich zweifeln, ob das ganze wirklich eine offizielle Pressemitteilung verdient hatte. Denn der Satz der gefallen war, „Almuth hat den Ball“ und etwas Gelächter über ihre Fehler, war der Anstoss für diese Aussage.

Ich will jetzt nicht sagen, dass das wahnsinnig nett war oder sehr gehaltvoll, nur sind wir ehrlich, es gibt schlimmeres. Ich selbst habe mich unschönere Dinge über die eigene Torfrau sagen hören.

Die Frage stellt sich mir, warum diese Härte der Aussage und wieso zu diesem Zeitpunkt? Es hätte bessere gegeben, wo man sich das eher gewünscht hätte. Wenn ich allein an die Spiele gegen Frankfurt denke, fallen mir etliche ein.  Auch erinnere ich mich daran, wie wir von der Tribüne Sprüche wie „Nadze ist nervös“ riefen, damals gab es keine Reaktion von Vereinsseite.

Schröder selbst ist auch eher ein Mann der klaren Worte. Die Frankfurter sind gerne der Erzfeind, die Kapitalisten aus der Bankenmetropole, eine Schiedsrichterin wurde zur „Ossi- Hasserin“ umbenannt. Alles Worte aus seinem Mund und jetzt echauffiert man sich über solch eine Aussage. Wenn man das so liest, wird dieses Statement noch befremdlicher.

Seit nun mehr 10 Jahren bin ich Turbine- Fan. Erst nur stiller Zuschauer, später im Fanclub, inzwischen nicht mehr organisiert, aber treuer denn je. Ich habe die schönsten und schlimmsten Momente in dieser Zeit miterlebt.

Und schon immer waren wir Fans immer wieder mal im Fokus, auch im negativen Sinne. Wir sind die Besten der Liga, sagt auch Schröder. Wir bringen die meisten Fans mit, haben mit den besten Schnitt zu Hause, sind am lautesten.

Aber wir sind auch die, die immer wieder mal unangenehm auffallen. Als ich noch im Fanclub war, haben wir Birgit Prinz verhöhnt, weil sie im Pokalfinale gesperrt war. Der Verein stellte uns zur Rede, zu Recht wie ich heute finde. Aber es lief intern ab. Dies ist nur ein Beispiel, ich könnte einige mehr aufzählen.

Wenn ich jetzt Dinge lese wie, wir sind die schlimmsten Fans der Liga, das KarLi ist eine No-Go Area für Auswärtsfans und überhaupt sollten wir uns alle schämen, regt sich in mir doch leichte Wut. Ich will nicht abstreiten, dass es Idioten auch bei uns gibt.

Das sind die, die keine Ahnung von den Regeln haben, die die Linienrichterinnen beschimpfen, wenn Ogimi satte 10 Meter im Abseits steht. Das sind auch die, die auswärts schon betrunken sind, ehe das Spiel angepfiffen wird. Und eben auch die, die mich schief von der Seite anschauen oder einen netten Kommentar für mich übrig haben, weil auf meinem TW-Trikot nicht Sarholz, sondern eben Naeher steht. Aber diese Schlaumeier wird man überall finden.

In Duisburg wurde Lira Bajramaj beleidigt, Frankfurter pfiffen Tabea Kemme wegen ihrem Ballwurf gegen Garefrekes aus, in Wolfsburg durften wir uns anhören wie schlecht doch unsere Elf wäre. Nicht immer schön, das stimmt, aber Fußball lebt von Emotionen. Ohne diese geht es nicht, wie ich finde. Nur wenn ich nun lese, was der Verein sich von uns Fans wünscht, frage ich mich, was denn noch erlaubt ist.

Will man keine Emotionen mehr? Will man eine graue Masse, die nur applaudiert, wenn mal eine schöne Kombination zu sehen war? Dann unterscheidet uns nichts mehr von den Fans des FFCs oder anderen Vereinen. Dann sind wir auch nicht mehr die besten Fans der Liga, auf die man eigentlich immer so stolz war. So stolz, dass uns sogar eine eigene Nummer gehört. Die 12 wird seit ein paar Jahren nicht mehr vergeben, sie gehört uns.

Warum will man uns also ändern? Ich will nicht abstreiten, dass sich einiges ändern muss, auch innerhalb der Fangemeinde. Da hat der Verein durchaus recht. Aber wenn schon solche Sprüche nicht mehr erlaubt sind, dann gute Nacht.

Schon jetzt haben einige angekündigt, ab sofort still im Stadion zu sein. Zur so wichtigen Auswärtsfahrt nach München, wollen auch nicht mehr alle fahren. Die Fanseele ist eben gekränkt ob dieser Aussagen. Und das in einer Phase der Saison, in der es für Turbine noch um Alles geht. Also denkbar unglücklich.

In den 90 Minuten Fussball will man alles dafür tun, dass das eigene Team gewinnt. Da fallen eben auch mal unschöne Worte, das gebe ich gerne zu. Wenn man nach dem Abpfiff, dem Gegner in die Augen sehen kann, und sich beide eine gute Heimreise wünschen können, hat man alles richtig gemacht. An diesen Grundsatz sollte man sich immer erinnern und messen lassen. Ich denke er ist ein guter Ratgeber.

Lasst uns diese besondere Fankultur in Potsdam nicht zerstören, auch wenn sie nicht immer die beliebteste der Liga ist. Im Ausland wird Potsdam für eben diese gelobt, bewundert. Selbst der Lyoner Trainer war begeistert über diese Fairness. Die Atmosphäre im KarLi ist einzigartig, lasst sie uns erhalten. Im Sinne der Mannschaft und der Liga. Denn ein bisschen Reibung kann nie schaden, sie muss nur im Rahmen bleiben.

In diesem Sinne bis zum nächsten Heimspiel bei hoffentlich wieder guter Stimmung.

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