Rettet die Frauen von Rayo

In Spanien steht eine der traditionsreichsten Mannschaften der Primera División Femenina vor dem Aus.

Logo von Rayo Vallecano

Konkret geht es um Rayo Femenino, welches die Frauenabteilung des Erstliga-Clubs Rayo Vallecano ist. Am 18. Juni wurde bekannt, dass der Präsident Martin Presa das Bugdet der Frauen auf ein Minimum herab setzen wolle.

Der Verein werde in Zukunft nur noch die Kosten für die Anreise tragen, Gehälter für Spielerinnen oder Trainer werde man nicht mehr aufwenden.

Schon vor dieser Saison wurden die Ausgaben extrem gekürzt. Mit nur 100.000 Euro Jahresbugdet bestritt die Mannschaft, in der es bisher drei Profispielerinnen gibt, die Saison und erreichte trotz dessen Platz 4 in der Meisterschaft und zog in das Halbfinale der Copa de la Reina ein.

Begründet wurde dieser Schritt in einer Pressemitteilung vom 19. Juni damit, dass die Mannschaft seit 2011 einen Schuldenberg von 750.000 Euro angehäuft habe. Vallecano sei somit in der Pflicht diesen abzubauen und sei gezwungen Gelder zu streichen. Man verstehe die Aufregung, aber es gehe nun mal nicht anders.

Trotz dieser Begründung bleibt wohl für viele der fade Nachgeschmack, dass das frei gewordene Geld vorallem der Männermannschaft zu Gute kommen wird. Es bleibt die Frage wie eine Abteilung, welche mehrere Titel gewann und finanziell sehr kurz gehalten wurde, innerhalb von vier Jahren solche Schulden anhäufen konnte.

Der Präsident Presa war ohnehin nie als Freund des Frauenfussballs bekannt. So kam es vor, dass die Spielerinnen nachts um 2 Uhr zu einem Spiel anreisen und am direkten Tag zurückkehren mussten, nur um Kosten zu sparen. Eine optimale Spielvorbereitung sieht anders aus.

Die Nachricht vom geplanten Rückzug der Frauenmannschaft schlug gerade in den sozialen Netzwerken hohe Wellen.

Der Grund hierfür ist, dass die Frauen von Vallecano eine gewisse Tradition im spanischen Frauenfussball haben. 2000 gegründet, gehören sie nun seit mehr als 10 Jahren zur ersten spanischen Liga. Seine Hochzeit erlebte der Club von 2007 bis 2011. Drei Meisterschaftstitel, zwei Pokalsiege und ein Vizemeistertitel stehen aus dieser Zeit zu Buche.

Sie vertraten Spanien im UEFA Women’s Cup und in den Jahren darauf in der neugeschaffenen Women’s Champions League. Mit ihren Teilnahmen im europäischen Wettbewerb ebneten sie maßgeblich den Weg dafür, dass sich auch in Spanien der Frauenfussball langsam zu entwickeln begann und somit auch stärker wahrgenommen wurde. In den vergangenen Jahren blieben die Erfolge allerdings aus.

Die Frauenmannschaften von Atletico Madrid und vor allem dem FC Barcelona bestimmten das Geschehen in Liga und Pokal, eine feste Größe blieb Rayo dennoch. Sollte Rayo aus der ersten Liga verschwinden, wäre dies ein fatales Zeichen für den Frauenfussball des Landes. Schon jetzt kommen Diskussionen darüber auf, warum abgewägt weden muss, welche Mannschaft die höhere Darseiensberechtigung hat. Schließlich will auch die spanische Gesellschaft eine sein, die für Chancengleichheit in allen Bereichen stehen will. Eine Diskussion, die uns hier in Deutschland nicht fremd ist.

Spätestens seit dem FSV Frankfurt, als auch dem HSV Hamburg weiß man wie gefährlich die verlockende Liaison mit einem großen Männerclub sein kann. In Spanien, wie auch in den meisten europäischen Ligen, sind diese die Regel. Schaut man sich die Namen der aktuellen Erstligisten an, findet man viele Bekannte. Vom FC Barcelona, Real Madrid bis hin zum FC Valencia sind alle großen Clubs vertreten. Das einzige Unterscheidungsmerkmal ist das „Femenino“ am Ende des Vereinsnamen.

In den 90er Jahren hatte der spanische Frauenfussball noch ein ganz anderes Gesicht. Eher kleinere Männerclubs förderten diesen Sport. Añorga KKE, ein baskischer Club, gab damals den Ton an und mit Extremadura Femenino Club de Fútbol fand sich sogar ein reiner Frauenverein in der Liga wieder. Mit einer Ligareform von 2001 änderte sich dies schlagartig.

Der spanische Verband schuf die damalige neue Superliga, den Vorgänger der Primera División. In dieser tummelten sich fortan vor allem die großen spanischen Namen in der Liga, vom Verband war dies so gewollt und auch gefördert. Die Vorreiterclubs hingegen verschwanden und spielen, wenn überhaupt, nur noch auf regionaler Ebene um Titel. Der Grund für diese Reform war, dass man sich eine bessere Konkurrenzfähigkeit im europäischen Wettbewerb erhoffte, der im Jahr 2001 erstmals ausgetragen wurde.

Ein Plan, der logisch erschien und zudem adabsurdum geführt werden würde, sollte Vallecano sich in der kommenden Saison zurückziehen. Denn nichts anderes würde geschehen, sollte es zu den oben veranschlagten Kürzungen kommen. Für Alicia Gómez, die Kapitänin, wäre das ein Rückfall in vergangene Zeiten, bis hin zu einem Amateurteam, in dem niemand, nicht einmal die Trainer, ein Gehalt beziehen.

Dass der Frauenfussball, anders als anscheinend bei dem Herren Presa, seinen Platz in Spanien gefunden hat, zeigen die Reaktionen in den sozialen Medien. Bei Twitter etwa fand man nach kurzer Zeit ein Hashtag („#SalvemosAlRayoFemenino„), der für Solidarität mit den Frauen von Rayo wirbt. Eine weitere Aktion ist die Change Kampagne, welche schon nach nur einem Tag kurz vor der erforderlichen Minimal-Stimmenanzahl steht. Auch in den regionalen Printmedien sorgt der vermeintliche Rückzug des Clubs für Verwunderung.

Es geht im Gesamten um mehr als nur Rayo Femenino. Es wäre ein fatales Signal für den gerade erst zu Wachsen beginnenden Frauenfussball in Spanien. Sowohl der Clubfussball als auch die Juniorinnen-Nationalmannschaften sind auf einem guten Weg, in naher Zukunft eine gewichtige Rolle im europäischen Wettbewerb zu spielen. Der FC Barcelona sorgte mit seinem Einzug in das UWCL-Viertelfinale für Aufsehen. Die U17-Auswahl gewann gar schon Titel bei Europameisterschaften (2010, 2011) und stand im Halbfinale der diesjährigen Weltmeisterschaft.

Es zeichnet sich ein Weg nach oben ab, der durch diesen Rückzug je gestoppt werden kann. Nicht das Vallecano so gewichtig wäre, aber es würde dem Projekt einen gehörigen Dämpfer verpassen. Zudem wäre die Gefahr, dass sich „Nachahmer“ solch einer Vorgehensweise finden würden, denn noch ist die Akzeptanz der Sportart in Spanien zu fragil, als dass sie solche Meldungen ohne Probleme wegstecken könnte.

 

 

 

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