Schwere Zeiten in Duisburg

Eigentlich sollte der Hallenpokal des DFBs ein Fest der Frauenbundesliga werden. Alle 12 Bundesligisten treffen sich alle Jahre wieder um den inoffiziellen Hallenmeister zu küren.

Aber am Freitag vor dem Turnier ging eine Nachricht durch die Medien, die dem ein oder anderen die Stimmung heftig verhagelte. Der FCR 2001 Duisburg muss Insolvenz anmelden. Eine Nachricht, die wenn man die Szene kennt, nicht überrascht, aber doch betroffen macht.

Der FCR ist schließlich nicht irgendein Verein. Spielerinnen wie Martina Voss, Inka Grings, Linda Bresonik, Alex Popp, Annike Krahn, Lira Bajramaj oder aktuell Ashlyn Harris schnürten die Schuhe für die Löwinnen. 2000 konnte man mit 60 Punkten Meister werden, ein Traum.

Im Jahr 2009 dann wohl das erfolgreichste. Im letzten Frauen-Pokalfinale in Berlin wurde Turbine Potsdam mit 7:0 vorgeführt. Nur eine Woche später gewann man den UEFA-Cup der Frauen vor einer Rekordkulisse in der MSV Arena. Ein Jahr später folgte noch ein Pokalerfolg. Insgesamt kann man auf drei Pokalsiege, eine Meisterschaft, sieben Vizemeisterschaften und einen UEFA Cup Sieg zurückblicken. Nur drei Jahre später steht man recht dicht am Abgrund.

Liest man die Historie steht die Frage im Raum, wie das denn passieren konnte. Ein Verein mit solchen Erfolgen und diesen Spielerinnen muss doch genug Attraktivität bieten, um Sponsoren anzulocken. Aber es ist wohl eine Reihe von Fehlern, die dazu geführt haben, dass es am Ende soweit gekommen ist. Da waren zum einen Fehler in der Finanzplanung. Wer die Prämie für den Champions League Sieg schon vor der Saison verplant, muss sich nicht wundern, wenn dann die Rechnung nicht stimmt. Dann gab es da noch Spielerinnen, denen man wohl mehr zahlte als gut war, und zu guter Letzt immer das Problem der Sponsorengewinnung. Denn trotz aller Erfolge und auch stabilen Zuschauerzahlen, wollte es nicht gelingen mehr Geldgeber für den Frauenfußball zu begeistern. In der Region gibt es einfach zu viele andere Vereine deren Unterstützung lukrativer scheint.

Schon im Sommer war die Situation mehr als Ernst. Schon damals drohte die Insolvenz, aber die Finanzlücke konnte geschlossen werden. Nach den Abgängen von Popp, Wensing, Bresonik und Krahn wurden zu dem Finanzmittel frei, die neu investiert werden konnten. Vor allem die Verpflichtung der US- Amerikanerin Ashlyn Harris sorgte für mächtig Optimismus, schließlich war sie eine der Topspielerinnen in der ehemaligen WPS.

Alles schien sich zum Guten zu wenden. Doch die Saison verlief sportlich eher dürftig. Nach nur drei Siegen und zwei Unentschieden in 11 Spielen steht momentan Platz 9 zu Buche, vier Punkte Abstand zum Abstiegsplatz. Trauriger Höhepunkt war das Ausscheiden im DFB Pokal gegen den VfL Wolfsburg, wo man mit einem 1:8 vom eigenen Platz gefegt wurde. Zu allem Überfluss konnte Trainer Marco Ketelear aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter machen, Petra Hauser übernimmt das Amt bis Saisonende. Auch wieder ein Schimmer der Hoffnung, der je zerstört wurde.

Denn 2013 begann denkbar schlecht, mit oben genannter Insolvenz. Kurzfristige Sponsorenausfälle zwangen den Verein dazu diesen Antrag zu stellen. 200.000 Euro sollen laut Quellen in der Kasse fehlen, die Gehälter der Spielerinnen konnten unter anderem nicht gezahlt werden. Noch hat dieser ganze Vorgang keine Auswirkungen auf den Spielbetrieb und die Liga. Aber es droht ein Zwangsabstieg der ersten Mannschaft in die zweite Bundesliga. Es wäre der zweite in Folge in der Frauenbundesliga. Schon in der letzten Saison wurde die Mannschaft des HSV quasi abgemeldet. Der Hamburger Sportverein wollte kein Geld mehr in die Frauen investieren. Diese Mannschaft findet sich jetzt sogar nur in der Regionalliga wieder.

Zwar sind beide Fälle unterschiedlich gelagert, doch regen sie zum Nachdenken an. Denn dies sind keine Einzelfälle. Der VfL Sindelfingen, aktueller Aufsteiger, musste Kosten sparen und Trainer als auch Spielerinnen ziehen lassen. Der SC 07 Bad Neuenahr hat schon jetzt angekündigt in der neuen Saison Einsparungen zu machen, der FF USV Jena ist auch immer wieder in den Schlagzeilen, wenn es um die Finanzen geht. Allesamt eint ein Problem. Zu wenige Unternehmen haben Interesse in den Frauenfußball zu investieren. Auf der anderen Seiten steigen die Anforderungen an die Vereine. Mehr Professionalisierung kostet eben auch mehr Geld, was aber nicht vorhanden zu sein scheint.

Nur wenige Mannschaften wie Frankfurt, Potsdam, München oder Wolfsburg können diese Aufgaben stemmen. Zwei dieser Vereine sind Frauenabteilungen von höherklassigen Männervereinen. Nicht wenige sehen darin die Zukunft des Frauenfußballs.

Die steigenden Anforderungen werden über kurz oder lang wohl nur noch sehr wenige reine Frauenvereine beziehungsweise Vereine in denen die Frauenmannschaft die wichtigste ist, erfüllen können. Ob es das wirklich ist, was der DFB sich gewünscht hat mit seiner Forderung nach mehr Profitum? Auf jeden Fall würde es viel an echter Frauenfußballkultur zerstören, denn es würde die Traditionsmannschaften treffen, eben jene die die meisten Zuschauer in die Stadien lockt.

Aber noch ist es nicht soweit und vielleicht kommt es am Ende doch anders als man denkt. Zunächst gilt es einen dieser Traditionsvereine zu retten. Es wäre der Liga zu wünschen, das sich doch alles noch mal zum Guten wenden wird beim FCR 2001 Duisburg.

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