Tschüss, Hallenpokal!

Tja, nun ist es vorbei. In diesem Jahr wird es das letzte Mal sein, dass sich die gesamte Liga an einem Ort einfindet, um ihren (in-)offiziellen Hallenmeister zu küren. Über 10 Jahre war dieses Spektakel fester Bestandteil des Terminkalenders und nun ist Schluss.

Futsal löst Hallenfußball ab

Der Weltverband FIFA will keinen Hallenfußball mehr, Futsal heißt die neue Sportart, die ab 2016 bei allen offiziellen Turnieren gespielt werden muss (Neue Informationen –>siehe weiter unten 1). Welchen Sinn das hat, bleibt dahin gestellt, aber es beendet eine Ära.

Seit 1994 fand das Turnier statt. Zunächst in Koblenz, Frankfurt, Dessau, ehe er ab 2000 in Bonn eine erste Heimat fand. Und hier beginnt auch meine Geschichte.

Seit 2003 etwa interessiere ich mich für Frauenfußball, im speziellen Turbine. Aber ich war noch lange nicht der Fan wie heute, mehr ein begeisterter Beobachter. Ende des Jahres nahm ich an einem Gewinnspiel auf der Website von Turbine teil.  Zu Gewinnen gab es eine Fahrt zum Oddset-Cup (so der damalige Name) mit Übernachtung und VIP-Tickets.

Im Auto mit Conny Pohlers

Wie der Zufall es wollte, hatte ich Glück und gewann tatsächlich. Und so kam es, dass ich an einem Freitag auf der Rückbank eines A8 mit einer weiteren Gewinnerin und Conny Pohlers in unserer Mitte verbrachte.

Wir hatten mehr als 5 Stunden Zeit über Gott und die Welt zu sprechen, und über Fußball natürlich. Conny warnte uns vor, dass wir nicht zu große Erwartungen haben sollten. Die Halle lag ihnen nicht so, meist war schon früh im Turnier Schluss.

In diesem Jahr sollte es anders kommen. Am 20.01.2004 fand ich mich, zusammen mit der zweiten Gewinnerin, in der Bonner Hardberghalle wieder und schaute begeistert auf das Parkett. Turbine spielte, trotz aller Befürchtungen von Frau Pohlers, schönen Fußball, die Fans machten ordentlich Stimmung und ich ließ mich mitreißen. In diesem Moment wusste ich, es kann nur einen Verein für mich geben und der hieß Turbine Potsdam.

Bonner Besonderheiten

Fortan verpasste ich keinen Hallenpokal mehr. 2008 feierte man den Abschied aus der ehemaligen Bundeshauptstadt, die Halle war zu klein geworden. Ab 2009 hieß der Austragungsort Magdeburg. Für mich wurde die Fahrt somit kürzer, statt acht Stunden Nachtzug, nur noch 2 Stunden Regionalexpress.

Die Reise nach Bonn war immer wieder ein Erlebnis. Von einem Zug mit 3 Stunden Verspätung, bis hin zu einem Ausstieg mitten in der Pampa aufgrund veränderter Streckenführung, war alles dabei. Am Ende war ich aber immer pünktlich zum Anpfiff in der Halle.

Auch erfuhr ich am eigenen Leib, wieso man diese Stadt „kleine unbedeutende Ackerbürgerstadt am Rhein“ schimpfte. Um 21:00 Uhr war meist alles zu, kamen wir abends mit dem Bus an, wurde es schwierig noch etwas zu essen zu finden. Zu Trinken gab es Kölsch, was ich aber nie so recht als Bier anerkennen wollte. Die Halle war immer gegen uns, damals noch als einziger Vertreter der neuen Bundesländer, hatten wir nicht viele Freunde dort.

Umzug nach Magdeburg

Tickets zu bekommen, war mehr als schwierig, so begehrt waren sie in den letzten Jahren. Daher machte der Umzug zu diesem Zeitpunkt auch Sinn.

In Magdeburg wurde das ein oder andere besser. Die Halle war größer, komfortabler und Plätze mit Rückenlehnen. Es mag banal klingen aber wer schon mal für 7-8 Stunden auf einer einfachen Holzbank saß, wird verstehen, warum man sich über sowas freute.

Die Atmosphäre verändert sich

Aber einiges entwickelte sich auch, zumindest aus meiner Sicht, in die falsche Richtung. Die Eintrittspreise als auch die Kosten in der Halle schossen ordentlich nach oben und der DFB begann immer stärker seine Nationalmannschaft als „Premiumprodukt“ zu vermarkten. Die Stars kamen meist aus der DFB-Auswahl und auch bei den Autogrammstunden waren immer weniger ausländische Spielerinnen zugegen. Und das in einer Liga, in der sich so viele Nationalitäten versammeln, meist die Besten ihres Landes.

Auch das 2011 das Turnier abgesagt wurde, weil der Terminplan für die WM zusammengerafft wurde, ging mir gegen den Strich. Immer mehr wurde sichtbar, dass für den DFB eben die Nationalmannschaft das alleinige Aushängeschild ist, die Vereine wirken da manchmal wie nettes Beiwerk oder gar lästig. Mir gefiel und gefällt diese Entwicklung im Allgemeinen nicht, das ist aber ein ganz anderes Thema.

Ein immer gleicher Rhythmus

Meine Liebe zu diesem Event wurde langsam immer geringer, was auch daran lag, dass das Rahmenprogramm seit 2004 immer dasselbe war. Ein paar Tricks von Aylin Yaren hier, ein paar Vorführungen der Kindertruppe von Tina Theune dort, und nicht zu vergessen, Blumen für die siegreichen A- und U-Nationalmannschaften des DFBs. Ein gleichbleibender Rhythmus Jahr für Jahr.  Und doch fuhr ich immer wieder aufs Neue dorthin, es gehörte einfach immer dazu und sportlich lief es exzellent am neuen Standort. Bei fünf Teilnahmen fuhren die Frauen aus Potsdam vier Siege ein.

Der Budenzauber lebt andernorts weiter

An Alternativen zu Magdeburg mangelt es wahrlich nicht. Für mich, allen voran die Turniere in Jöllenbeck und das hauseigene von Turbine. Gerade ersteres hat noch diesen Charme, mit seinem Duft von selbstgebackenem Kuchen und belegten Brötchen, der so richtig an Amateurfußball erinnert. An die Zeit im Frauenfußball, wo alles etwas heimeliger war und die Spielerinnen die Auswärtsfans noch per Handschlag begrüßten. Sportlich hingegen besitzt das Turnier ein ausgezeichnetes Niveau und beweist, dass es auch ohne große Show geht.

Die große Show bietet eher Turbine. Das Turnier in Potsdam ähnelt dem in Magdeburg, nur mit besserer Stimmung, mehr Spaß und wieder einem faireren Modus. Zwei Tage Ende Januar, an denen gefeiert wird. Ein Fest für alle beteiligten auf und neben dem Platz.

Es ist aber eben nicht dasselbe. Der Hallenpokal machte es möglich eine ganze Liga an einem Tag zu sehen. Er warb für den Frauenfußball, viele kamen aus Neugier und stellten fest, dass auch Frauen gute Technikerinnen sind und schönen Fußball spielen können. In der Halle werden die Unterschiede kleiner. Die schwächeren Mannschaften konnten sich auch einmal in den Fokus spielen, Überraschungen gab es so gut wie jedes Jahr.

Viele Erinnerungen und Erlebnisse, die bleiben

Aber wer weiß, vielleicht ist es auch an der Zeit, dass das Turnier sein Ende findet. Gerade in den letzten Jahren war für mich der Lack doch ziemlich ab. Die Stimmung war so lala, das Drumherum sprach ich schon an. So schafft der Wegfall vielleicht wieder Platz für Neues.

Und doch schaue ich mit ein wenig Wehmut dem Schlussakkord entgegen, denn zu viele Erinnerungen hängen an diesem Tag im Januar. Ich lernte viele Menschen kennen und fand den Einstieg in die Potsdamer Fanszene. Der Hallenpokal ist indirekt Schuld daran, dass ich viele Stunden in Zügen, Bussen ja gar Flugzeugen verbrachte und es auch heute noch schwierig ist, sich mit mir an einem Sonntag zu verabreden. Und indirekt auch daran, dass ich seit 2007 seltener allein zum Fußball gehe. Alles nur wegen diesem 20. Januar vor 11 Jahren als ich mich in Turbine Potsdam verliebte.

Es war eine wunderbare Zeit mit dem Hallenpokal und es hat am Ende doch meistens Spaß gemacht. Ich werde ihn vermissen.

ERGÄNZUNG:

1. Wie jetzt bekannt wurde, ist wohl mehr der DFB der treibende Keil, als die FIFA. Der Deutsche Fußballbund setzt die Regelung auf einen Willen durch und nicht auf Druck des Weltverbandes . Zudem rechnet sich die Veranstaltung nicht, da kein großer Sender diese überträgt. 

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