Wirklich eine Wachablösung?

Mit dem VfL Wolfsburg wird erst der zweite „Männerverein“ im Frauenfussball deutscher Meister. 1976 war es der FC Bayern München, dem dies zum ersten Mal gelang. 2009 hätten sie dies fast wiederholt, erst am letzten Spieltag wurden sie abgefangen.

In der FAZ sprach man jetzt von Wachablösung, von klangvollen Namen, die Titel holen. Ob der VfL ein klangvoller Name ist, dass sei dahin gestellt. Im Frauenfussball sind es eher die beiden FFCs, die Esprit versprühen. Und doch kann dies der Anfang einer neuen Ära werden, einer, in der nicht mehr die reinen Frauenclubs die Geschehnisse bestimmen, sondern die Männervereine mit Frauenabteilungen.

Denn eines ist klar, macht ein solcher Verein wirklich ernst mit Frauenfußball können die reinen Frauenteams nicht mithalten. Das fängt bei der Infrastruktur an, und hört bei den Finanzen auf. Die Summen, die heute investiert werden müssen um eine gute Mannschaft aufzustellen ist nicht wirklich hoch. Der FFC Frankfurt gab 2011 einmal 1,8 Millionen als Etat an. Auch heute wird dieser vielleicht nur ein wenig höher liegen.
Was sich für den Frauenfußball viel anhört, kann sich ein Männerverein locker leisten. Die Summen, die hier umgesetzt werden, sind um einiges höher. Wie viel etwa der VfL Wolfsburg investiert, weiß man nicht. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. In dem FAZ Artikel äußerte man sich nur wie folgt: „Wenn sich der VfL Wolfsburg im Spitzensport engagiert, dann macht er das auch richtig“. Zitat Thomas Röttgermann, Geschäftsführer des VW Clubs.

Immer wieder betonen sie, dass die Gehälter, die sie zahlen, marktüblich sind. Schwer zu glauben aber lassen wir diese Aussage mal gelten. Was eben auch lockt ist das Umfeld, denn Clubs aus der 1. und 2. Bundesliga haben eine vorhandene Infrastruktur, einen Namen und ein geringes Risiko. Bleibt der Erfolg aus, kann das Männerteam die Verluste locker wieder einspielen. Mannschaften wie Frankfurt und andere Frauenclubs müssen hingegen selbst wirtschaften.

Aber es gibt auch einige positive Aspekte, wenn diese Teams bei den Frauen einsteigen. Die eben schon angesprochene Infrastruktur und Finanzen können dem Sport helfen professioneller zu werden. Die Spielerinnen bekommen gute Verträge und eine sehr gute Ausbildung, sowohl sportlich als auch beruflich.

Gerade das Thema Geld liegt den meisten Vereinen bei den Frauen schwer im Magen. Der FCR Duisburg ist aktuell in Insolvenzgefahr. Der SC 07 Bad Neuenahr kündigte an, sparen zu müssen, vom FF USV Jena hört man auch immer wieder ähnliches.   Bei der SGS Essen beschwerte sich unlängst der Trainer, dass nicht genug Geld für Spielerinnen da wäre, dem VfL Sindelfingen lief schon zur Winterpause die Mannschaft weg. Eine halbe Liga hängt am Tropf.

Eigentlich müsste man also froh sein, wenn ein paar Profis sich engagieren und dafür sorgen, dass die Frauen weiter Fußball spielen können, zu Bedingungen, die wesentlich besser sind als die aktuellen. Aber diese Abhängigkeit kann auch tödlich sein.

Das jüngste Beispiel ist der HSV, der seine erste und zweite Frauenmannschaft abmeldete aufgrund von Sparmaßnahmen. Die Mannschaften erspielten zu wenig eigenes Geld ein, Sponsoren sprangen ab. Trotz aller Bemühungen fehlten rund 70.000 bis 100.000 Euro, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten

Ein lächerlicher Betrag, der am Ende als Grund für die Abmeldung genannt wurde. Wenige Wochen später vermeldete man ein Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona. Preis eine Million Euro, und auch die Verpflichtung von Rafael van der Vaart war bestimmt nicht gerade billig.

Ein weiteres Beispiel, welches noch extremer war, ist der FSV Frankfurt. In den 80er und 90er Jahren waren sie der beste Frankfurter Verein, sammelten vor allem Pokalsiege. Birgit Prinz, Steffi Jones, Saskia Bartusiak und Sandra Smisek, um nur einige zu nennen, kickten hier gegen den Ball. Ab 1998 wurde ihnen vom FFC zwar der Rang abgelaufen, doch waren sie immer noch ein fester Bestandteil der Bundesliga.

Dann beschloss der FSV, dass die Männer endlich aufsteigen sollen. Sämtliches Geld sollte dorthin fließen. Die Frauen konnten sich allein nicht finanzieren, eine Auflösung war beschlossene Sache. Die Mannschaft bestand nur noch aus Jugend- und Regionalligaspielerinnen und so konnte man in der Saison 2005/06 einem total überforderten Team beim Abstieg zusehen. Ohne Sieg und einer Tordifferenz von -137 beendete man die Saison auf dem letzten Platz.

Das es auch anders laufen kann, sieht man bei Clubs wie dem FC Bayern München und dem SC Freiburg. Beide engagieren sich schon lange bei den Frauen. Auch als Freiburg immer mal wieder ab und aufstieg, wurde ihnen das Vertrauen geschenkt. Der FC Bayern München war der erste Männerclub der Meister wurde, schaffte dies 2009 fast noch einmal und sind auch nicht umsonst amtierender Pokalsieger. Sie haben es in den Reigen der Großen geschafft.

Aber auch bei ihnen gibt es „Makel“. Das Interesse der Vereinsbosse ist gering, man kann auch sagen, es ist nicht vorhanden. Erst 2009 besuchte Karl-Heinz Rummenigge ein Heimspiel. Diese werden im Übrigen in Aschheim ausgetragen, zu weit weg, um wirklich viele Menschen anzulocken. Ein Problem, was schon lange bekannt ist aber nicht geändert wird.

Die finanziellen Mittel sind indes auch hier vorhanden. 2012 standen die Münchnerinnen auf einem Abstiegsplatz. Mit Nikki Cross und Sarah Hagen wurden daraufhin zwei US-Amerikanerinnen verpflichtet, die neben dem Klassenerhalt auch den Pokalerfolg sicherten. Andere Vereine könnten sich in solch einer Situation kaum so verstärken, denn diese Spielerinnen sind reine Profis.

Es bleibt ein zweischneidiges Schwert, diese Sache mit den Männern. Wie im echten Leben kann man nicht so recht ohne, aber eben auch nicht mit ihnen. Ich persönlich kann mich aber mit einer Liga voller „Männerclubs“ nicht anfreunden. Diese Verhältnisse haben wir schon jetzt in der FA WSL und erste Züge auch schon in Frankreich.

Darauf wird es aber hinaus laufen, sollten noch mehr Ernst machen in Deutschland, wie die Wolfsburger. Denn sind wir ehrlich, finanziell mithalten kann keiner der Frauenclubs. Wenn ich allein sehe, wie oft man „Am Elsterweg“ Freikarten verteilt, kann man schon erahnen wie gewirtschaftet werden muss.

Tradition und viele Fans haben indes diese Mannschaften nicht. Sie sind eben nur eine Art „Ableger“ der Männer, nicht mehr aber auch nicht weniger. Es wird sich nicht so sehr mit den Frauen identifiziert. Spielt der FCB in Potsdam sind viele Fans der Münchener mit dabei, es spielt halt der FC Bayern. Die Namen der Spielerinnen kennen aber die wenigsten. Es sind weiß Gott nicht alle so, aber viele, das sagt mir meine Erfahrung.

Was der beste Weg zur Weiterentwicklung des Frauenfußball ist, kann ich nicht vorhersagen. Wohin es aber wahrscheinlich gehen wird, zeigt auch ein bisschen das diesjährige Finale der UEFA Women‘s Champions League.

Olympique Lyon trifft auf den VfL Wolfsburg.

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